Berichte

17.09.21: Ein Freitag für den Dauerwald

im Forstamt Bleicherode-Südharz, Revier Christianenhaus

Forstamtsleiter Gerd Thomsen konnte am 17.09.2021 eine Gruppe von insgesamt 10 Interessierten zum Thema „Umgang mit dürren Fichtenbeständen“ im Forstamt Bleicherode-Südharz begrüßen. Der Vormittag führte durch verschiedene Waldbilder im Revier Christianenhaus. Zunächst erläuterte Gabriel Schwarze (Sachgebiet Waldarbeit und Technik) die wichtigsten Punkte zum Umgang mit stehendem Totholz aus der Fachanweisung „Schadholzmanagement“. Kern des Tagesprogrammes war die Besichtigung des Monitoringprojektes „Fichtendürrständer“, welches vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha geplant und vom Forstamt angelegt wurde. Unterstützt von Revierleiterin Christin Krug stellte Sonja Gockel (Sachgebiet Waldbau, Jagd und Fischerei) den Versuchsaufbau vor.

Ziel ist die Untersuchung der ökologischen Wirkungen des stehenden Totholzes in verschiedenen waldbaulichen Varianten. Dazu wurde ein flächiger Dürrständer-Bestand belassen, ein Bereich mit gruppenartige Totholzinseln und ein Bereich mit Hochstubben (in ca. 1,80 bis 2m Höhe) angelegt. Zum Vergleich dient eine Freifläche, die unmittelbar räumlich anliegt. Für alle Flächen ist eine künstliche Wiederbewaldung geplant. Beobachtet werden der Wiederbewaldungserfolg und die Auswirkungen des belassenen Totholzes (auf Boden, Vegetation und Klima). Erste waldökologische Ergebnisse zwischen den verschiedenen Varianten zeigen aktuell schon einen deutlichen positiven Einfluss des Totholzschirms auf die Bodentemperatur.

Die Veranstaltung war geprägt von einer offenen und konstruktiven Diskussion im kleinen Kreis. Sicherlich ungewöhnlich anzusehen für die Teilnehmer war die angelegte Fläche mit den Hochstubben (Foto). Hier ist eine Stockachselpflanzung mit Laub- und Nadelholz geplant. Weitere Wiederbewaldungsmöglichkeiten, die Gestaltung der räumlichen Ordnung, Arbeitssicherheitsaspekte, und die zukünftige Begehbarkeit wurden erörtert und abgewogen, sowie die Nutzung von Hochstubben als dauerhafte Gassenmarkierung.

Deutliches Fazit aller Beteiligten: das Thema lässt noch viele Fragestellungen offen. Ein Erfahrungsgewinn kann nur durch Erproben und Beobachten, und letztendlich dem gemeinsamen Erkenntnisaustausch entstehen.

Herzlichen Dank an Gerd Thomsen und sein FoA-Team für diesen Tag!

Sonja Gockel

Wiederbewaldung mit Hilfe Hochstubben bzw. Mutterstöcken (Foto: Sonja Gockel)

17.09.21: Ein Freitag für den Dauerwald

im Forstamt Heldburg, Revier Gleichamber

Eine bunt gemischte Truppe aus Amtsleitern, Revierleitern, Praktikant/-innen und Funktionern, insgesamt übersichtliche 8 dafür Interessierte, fand sich zu einem kurzweiligen Waldgang im Revier Gleichamberg.

Revierleiter Mathias Eisenbach stellte prägnant und transparent seine Erfahrungen zu Wiederbewaldungsmaßnahmen nach Abgang jüngerer Fichtenbestände vor: Trupppflanzung, Konkurrenzvegetation, Pflugstreifen. Ergebnis: Weniger und dann richtig (Trupps, Pflege, Markierung, Beobachten) sind mehr.

Beeindruckend war auch der Unterschied zwischen Schirm (=Waldklima) und abgedeckter Fläche (=Ackerfläche mit Unkraut) – siehe Foto.

Anschließend schaute die Gruppe in der Naturwaldparzelle/Totalreservat (NSG) „Buchenhof“ nach, wie die Natur das Problem „sterbende Fichten durch Borkenkäfer“ seit Jahren löst: Mit Abbau des freigesetzten Stickstoffs (Holunder, Himbeere), in den Verhauen geschützter Naturverjüngung, Vorwald (Birke, Aspe). Allein durch die Vielfalt an Strukturen ist der Dauerwald schon denkbar.

Zum Abschluss wurde der „Urwald von morgen“ (über 180-jähriger Buchenbestand in der NWP) erwandert – kleinflächiges Nebeneinander aus einzeln abgängigen Buchen, Verjüngung. Eben der kleine Kreislauf… was ein Gegensatz zum großen (boreal anmutenden) Fichtenkreislauf davor.

Lars Wollschläger

 

Exkursionsteilnehmer am 17.09.2021 im Revier Gleichamberg (Foto: D.Hessenmöller)
Nach Kalamität abgedeckte Fläche (Foto: D.Hessenmöller)

„Ein Freitag für den Dauerwald“

im Forstamt Jena - Holzland

Unter der Leitung von Forstamtsleiter Bernhard Zeiss, Martin Balke, technischer Koordinator und ehem. Revierleiter Rothehofsmühle und Phillip Vogel, Revierleiter Quirla, ging es am 17.09. unter dem Motto: „Verschiedene Ansätze zur extensiven Wiederbewaldung“ in die genannten Reviere.

Auf durch Kalamitäten entstandenen Kleinflächen bestand in den letzten Jahren die Möglichkeit, extensiv genutzte Bereiche zu schaffen, die nach Jahren der Ent­wick­lung, während der Exkursion vom Fachpublikum begutachtet und diskutiert werden konnten.

Durch gezielte Förderung des Dauerwaldes, die konsequente Reduzierung der Wilddichte, etablieren von standortgerechten Baumarten sowie Naturverjüngung und regelmäßiger Pflege konnten Flächen abseits der Monokulturen und den damit verbundenen uns allen bekannten Gefahren entstehen. Nicht alle Ergebnisse entsprachen den eigenen Vorstellungen über die zukünftige Entwicklung der Flächen und so würden bestimmte Entscheidungen nach dem heutigen Wissenstand anders getroffen werden. Dies gab ausreichend Potenzial für spannende Diskussionen unter dem aufmerksamen Publikum.

In Bezug auf Naturverjüngung und Fördern von bislang ungenutztem Holz sollten wir visionär in die Zukunft schauen, so könnten ggf. auch Baumarten und Sortimente, die heute noch nicht im Fokus der Industrie und Baubranche stehen, im Zuge der tech­nischen Entwicklungen, von großem Interesse sein. Auch die Pflege der Flächen und die damit verbundene, nötige Schaffung von Arbeitsplätzen für Forstfachkräfte sollte nicht außer Acht gelassen werden. Dies würde eine Verschiebung der Prioritäten ergeben, sodass mehr Geld für den künftigen Einschlag eingeplant werden müsste und vorerst weniger Geld generiert werden könnte.

Die Exkursionsflächen (Versuchsflächen) zeigen, wie die Aufgabe des Waldumbaus in Zukunft bewältigt werden kann, dass aber auch noch erhebliches Potenzial in weiteren Versuchen steckt um den Wald für alle Eventualitäten, verbunden mit dem Klima­wandel und unseren Bedürfnissen, langfristig zu stärken.

Martin Schiebe

Ein Freitag für den Dauerwald im Forstamt Jena - Holzland

Katastrophe als Chance - Sukzession als Baustein der smarten Wiederbewaldung

Herbstexkursion 2019

Die Thüringer ANW Herbstexkursion führte am 9. Oktober 2019 in das Forstamt Erfurt-Willrode. Forstamtsleiter Dr. Chris Freise stellte den rund 50 Teilnehmern das gemeinsam im Forstamt entwickelte Konzept vor, wie die Dürre-Katastrophe in einem naturnah wirtschaftenden Betrieb nicht nur bewältigt, sondern auch als waldbauliche Chance genutzt werden kann. Und zwar für die Etablierung von klimastabilen Lichtbaumarten und die Integration von Sukzessionsprozessen und Weichlaubhölzern in ein nach wie vor als Gesamtstrategie verfolgtes Dauerwaldkonzept.

Die Exkursionsroute zeichnete den gedanklichen Entscheidungsprozess im Forstamts-Team nach. Gestartet wurde im Landeswald des Reviers Kranichfeld bei Revierleiter Ronald Schäfer. Im Palisadengrund konnten sich die Teilnehmer mal wieder von den enormen Vorteilen strukturreicher Wälder überzeugen, die hier bei langjährig einregulierten Schalenwildbeständen von Douglasien, Fichten und Kiefern im Oberstand und einer reichen Naturverjüngung aus rund 15 verschiedenen Baumarten geprägt waren. In den fichtenreichen Partien löste sich der Oberstand mit einem Borkenkäferloch nach dem anderen Stück für Stück auf, so dass hier über höheren Lichtgenuss auch Baumarten wie Eiche, Kiefer und Lärche eine Chance finden. Die Entwicklung sahen Revierförster Ronald Schäfer und Forstamtsleiter Dr. Chris Freise mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Tragisch sei, dass hier durch den Klimawandel großflächig das Nadelstarkholz verschwinde, mit dem in dauerwaldartigen Strukturen eine ökonomisch extrem auskömmliche naturnahe Waldwirtschaft möglich gewesen wäre. Beruhigend wirke, dass auf diesen Flächen keinerlei Investition in Pflanzung erfolgen müsse und durch das vorhandene Derbholz in Strukturresten bereits in wenigen Jahren wieder Durchforstungserträge anfielen.

Diskussionspunkt bei diesen Waldbildern war vor allem die Jungbestandspfleg unter Schirm. Einige Teilnehmer sahen darin eine Chance, auch in der Naturverjüngung unter Schirm für mehr individuelle Stabilität und Artenvielfalt zu sorgen. Die Gastgeber verwiesen auf die biologische Automation durch die Schirmwirkung des Oberstandes. Die ausreichend stabile Selbstdifferenzierung in derartigen Beständen konnte mit einer Bachelorarbeit belegt werden (BÖHNKE, M. (2019): Selbstdifferenzierung von Fichtennaturverjüngung unter Schirm - Eine Fallstudie im Revier Kranichfeld des Forstamtes Erfurt-Willrode. Bachelorarbeit, Fachhochschule Erfurt). Bei der Artenvielfalt setzen sie neben der Jagd vor allem auf das Lichtmanagement. Im Landeswald des Forstamtes werden außer in naturschutzfachlichen motivierten Projekten unter Schirm grundsätzlich keine Jungbestandspflegen oder schematischen Stückzahlreduktionen durchgeführt. Einig war man sich über die Bedeutung der punktgenauen Pflege in Jungwäldern, sobald sie vom Oberstand vollständig abgedeckt sind.

In direkter Nachbarschaft zeigte Revierförster Torsten Singer im Betreuungswald mit der Unterstützung von Simon Mende und Lennart Kühn, wie risikoträchtig und verjüngungsarm sich die gleichen Ausgangsbestände bei 3 herbivoren Schalenwildarten und einem anderen Jagdregime entwickeln. Im Betreuungswald des Forstamtes treffen diese Randbedingungen leider für einen großen Flächenanteil zu. Den Waldbesitzern blieb nichts anderes übrig, als mit allen Vor- und Nachteilen massiv in die künstliche Wiederbewaldung einzusteigen. Der klassische Weg mit Flächenräumung, hohen Pflanzzahlen und intensiver Kulturpflege wurde dabei durchaus erfolgreich auf beachtlichen Flächen umgesetzt, werde aber jetzt zunehmend kritisch hinterfragt. Die Zäune seien fast nicht mehr zu kontrollieren und der Arbeitsaufwand und das finanzielle Risiko (keine Fördermittel ohne Nachkontrollen) türme sich auf. Knackpunkte seien neben der reinen Flächengröße vor allem das klimatische Ausfallrisiko der Jungbäume und die Vergrasung, die durch Flächenräumung und Mulchen zusätzlich angeheizt werde. Wie sich die Teilnehmer selbst großflächig überzeugen konnten, führt die intensive Flächenvorbereitung zwar zu optimalen Bedingungen für Pflanzung und spätere Kulturpflege. Allerdings wird so auch in einem Arbeitsgang aus einem Waldboden mit reichlichem Diasporenpotenzial für holzige Gewächse eine Calamagrostis-Wiese hergestellt. Den Waldbesitzern sei es wichtig, etwas für ihren Wald zu tun, man sei aber zunehmend offen für extensivere Ansätze, die das Risiko minimieren und auch mit längeren Zeiträumen zum Ziel führen, führte Torsten Singer aus.

Diese Ansätze waren dann nach einer Mittagsstärkung mit Waldbratwurst und Bulette vom Rost am Forsthaus Willrode im Landeswald des Reviers Egstedt bei Revierleiter Robert Frohwein zu sehen: Sturmschäden und Borkenkäferlöcher wurden dort in standortsfremden Fichtenreinbeständen aus Nachkriegsaufforstungen für die Einbringung von Eichen und Wildbirnen mit kleinen Intensiv-Flächen genutzt. Als Schulwald und waldpädagogisches Projekt mit einem Durchmesser von rund einer Baumlänge gestartet, überzeugten die kleinflächigen Initiale nach 5 Jahren mit nahezu 100%igen Anwuchsprozenten und Oberhöhen von 2 m. Wuchshüllen und Robinienstäbe waren bei Rehwildabschüssen über 12 St./100 ha eher zum Wiederfinden und Mähschutz in wuchskräftiger Brombeere als zum Schutz gegen den Äser erforderlich. Allerdings seien auch diese Flächen mit Wuchshüllen nicht zum Pflege-Null-Tarif zu haben, schilderte Robert Frohwein. Jährliches Freischneiden und Reparieren der Wuchshüllen seien letztendlich fast mit den Pflegekosten bei klassischen Kulturen zu vergleichen, nur dass sie hier eben auf wesentlich kleinerer Fläche und damit beherrschbarer anfallen. Die sonst bei freier Sukzession reichlich aufkeimenden Baumarten werden aber auch bei dieser Variante durch die Pflege nahezu eliminiert.

Nach dieser gefälligen Variante der Wiederbewaldung war der nächste Exkursionspunkt für viele Teilnehmer eher gewöhnungsbedürftig. Revierleiter und Forstamtsleiter zeigten eine Störfläche in einem ehemaligen Fichtenreinbestand aus Pflanzung nach Kahlschlag, die über fast 20 Jahre und verschiedene Ereignisse Stück für Stück gewachsen war und nur sehr kleinflächig zum Beispiel für das Einbringen von Hickorys und Schwarznüssen aus eigenen Beständen genutzt wurde. Der große Teil der Fläche zeigte aber Sukzessionswälder mit führender Birke, Aspe und auch einem Teil von Schlusswaldbaumarten in Höhenstufen von bis zu 14 m. Auch diese Flächen mit ihrer Entwicklungsdynamik wurden durch eine Bachelorarbeit im Forstamt näher untersucht (SINGER, N. (2020): Sukzessionsprozesse als Beitrag für eine risikoarme Wiederbewaldung. Bachelorarbeit, Fachhochschule Erfurt). Forstamtsleiter Dr. Chris Freise konnte zeigen, wie das noch unbeeinflusste Samenreservoir im Waldboden selbst durch dickste Brombeerhecken stößt und diese Stück für Stück ausdunkelt. Die entstehenden Weichlaubholzbestände werden zum Teil sekundär durch Schlusswaldarten wie Hainbuche, Buche und Buntlaubholz unterwandert und beherbergen im Oberstand auch etliche Bergahorne, Wildkirschen und sogar die ein oder andere Eiche. In Teilen können diese Bestände bei einem aufnahmefähigen Industrieholzmarkt nach 15 bis 20 Jahren mit positivem Deckungsbeitrag durchforstet werden und bieten zahlreiche waldbauliche Entwicklungsmöglichkeiten: von der gezielten Starkholzerziehung und ggf. Astung von Birke bis zur Nutzung als reiner Vorwald oder Entwicklung als Mischwaldtyp mit hohen Weichholzanteilen. Alles ohne 1 Euro Investitionskosten und als reiner Prozessschutz. Nur Geduld koste das Abwarten dieser Entwicklung und sicher auch Kommunikationsaufwand aufgrund der ungewohnten Bilder bei Waldbesitzern und Besuchern.

Ob diese Geduld nicht durch mehr Investitionen ersetzt und so schneller zu produktiveren Wäldern führen solle, wurde intensiv diskutiert. Forstamtsleiter Dr. Chris Freise betonte, dass es eben auf die Ziele der jeweiligen Waldbesitzer und die individuellen Rahmenbedingungen ankomme. Interessant sei, dass es zahlreiche Beispiele „missglückter“ Kulturen gebe, die nach 10 Jahren das gleiche Bild wie frei laufende Sukzessionsflächen mit einem nahezu vollständigen Untergang der Investitionskosten böten. Also warum nicht gleich mit Mutter Natur arbeiten und auf Zeit „Natur Natur sein lassen“ und ihr Anpassungsspektrum an die rasant laufende Klimadrift für den Forstbetrieb nutzen? Im Forstamt Erfurt-Willrode habe man sich nach Analyse der bisherigen Erfahrungen auf ein smartes Konzept der Wiederbewaldung verständigt, bei dem Weichlaubholz und Sukzessionsprozesse auch im Betreuungswald feste Bestandteile seien.

Die wichtigsten Bausteine der smarten Wiederbewaldung:

  • weitgehende Nutzung natürlicher Sukzessionsprozesse mit minimal-invasiver Forstwirtschaft, auch Pionierwälder können ab dem Alter 20 – 40 mit dem Harvester durchforstet werden

  • Kombination von Extensiv- (Sukzession) und Intensiv-Flächen (Pflanzung klassisch, Initiale, Anreicherung – wenn erforderlich Schutz durch Wuchshülle oder Zaun)

  • Mulchen und Flächenräumung nur kleinflächig in Kombination mit Intensiv-Flächen

  • > 1 ha Schadfläche keinerlei Maßnahmen, keine Intensiv-Fläche > 1 ha wenn Wildschutz erforderlich

  • 30 m Abstand zu Nachbarbeständen, Restbestockungen,… (Sukzession) bei Intensivmaßnahmen

  • Aussparen etablierter Naturverjüngung, Restvorräte und Rückegassen, auch Fi-NV im Fi-Risiko ist Vorwald

Nicklas Singer


Ein Plädoyer für den Dauerwald

Frühjahrsexkursion „10 Jahre Betriebsziel naturgemäßer Dauerwald im Stadtwald Heldburg“

Am 4. April 2019 trafen sich rd. 60 interessierte Forstleute und Waldinteressierte im vom Forstamt Heldburg betreuten Stadtwald Heldburg zur Frühjahrstagung 2019.

Mit 3.257 ha forstlicher Betriebsfläche ist der Stadtwald Heldburg der momentan größte kommunale Forstbetrieb Thüringens, Bürgermeister Christopher Other und seine Vorgängerin Katja Kieslich reihten sich daher in die Interessierten ein und informierten sich an 7 Waldbildern über die Entwicklung zum Dauerwald.

2009 beschloss der Stadtrat Heldburg angeregt durch die Erfahrungen, welche Revier­förster Jens Freiberger auf Teilen des Stadtwaldes seit 1994 gemacht hatte, eine „mittel- bis langfristige Zielstellung für den Stadtwald Bad Colberg-Heldburg – Leit­bild der Waldbewirtschaftung“. Zentrale Aussage war: „Der Stadtwald Bad Colberg-Heldburg wird als naturgemäßer Dauerwald in einzelstamm- bis gruppen­weiser Nutzung bewirtschaftet“. 2011 beschloss die ehemals eigenständige Gemeinde Hel­lingen ein ähnliches Leitbild. Mit der Gemeindeneugliederung entstand aus beiden Teilen und der Gemeinde Gompertshausen der neue naturgemäß wirtschaftende Forstbetrieb.

Dies erschien Grund genug, nach 10 Jahren sich die ersten Ergebnisse und Ent­wick­lungs­möglichkeiten in den Revieren Heldburg und Ummerstadt anzuschauen.

Im Itz-Baunach-Hügelland gelegen ist die Baumartenausstattung mit 33 % Eiche bemerkenswert.

Die ersten beiden Waldbilder befassten sich vorrangig mit der Mischung und Struk­tu­rierung durch permanente Pflege(-nutzung). Erstaunlich, wie viel Potential an Misch­ung und hier v.a. Eichen sich in auf den ersten Blick Nadelholz-dominierten Bestän­den bei einem wachen Auge des auszeichnende Revierförsters findet.

Markiert und behutsam freigestellt bilden sie ein beeindruckendes Bestandesgerüst.

Weitere drei Waldbilder widmeten sich dem Thema Etablierung und Sicherung von Eichennaturverjüngung im Dauerwald. Die Bandbreite von trupp-, horstweiser oder femelartiger Verjüngung (eher klassische Verfahren) auf größerer Fläche boten aus­reichend Stoff zur Diskussion.

Zwei Waldbilder widmeten sich der Entwicklung von Fichtenreinbeständen zu nadel­holz­dominierten Dauerwäldern.

Natürlich wurde auch das Jagdregime (Verpachtung) und korrespondierend die Naturverjüngung in den letzten Jahrzehnten beschrieben und diskutiert. Beim Dienstantritt von Jens Freiberger 1994 schaffte es noch nicht einmal die Fichte, sich außerhalb eines Zaunes zu verjüngen. Mittlerweile gelingt dies ohne Zaun mit Buche, Eiche, Douglasie, Tanne und Ahorn. Die Stadt hat die Jagd solide geregelt. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Abgerundet wurde die Exkursion mit einem rustikalen Mittagessen im Revier.

Fazit: Auch wenn der Weg zum Dauerwald ein langer ist, kann man mit waldbaulicher Beharrlichkeit, Mut und politischem Durchhaltevermögen auch schon nach 10 Jahren beeindruckende (Zwischen-)Schritte zum Dauerwald unter Beteiligung der Eiche errei­chen, die Zuversicht zum Weitermachen verbreiten.

Autor: Lars Wollschläger

Exkursionsteilnehmer im Stadtwald Heldburg