Fraget die Bäume,
wie sie erzogen
sein wollen,
sie werden Euch
besser darüber
belehren
als es
die Bücher tun.

W.L. Pfeil (1783-1858)


Exkursionsbericht

ANW-Jahresexkursion 2011

vom 10. bis 15. September 2011

in die Julischen Alpen



von Susann Biehl (21. Dezember 2011)



Ziel unserer Reise waren die Julischen Alpen, ein Gebirgsstock der Südlichen Kalkalpen. Dieser teilt sich auf slowenischem Gebiet in Ober- und Unterkrain und in Italien auf die Region Friaul-Julisch Venetien auf. Im landschaftlich schön gelegenen slowenischen Kranjska Gora wurden wir von Bruno Hespeler, unserem Reiseführer, begrüßt.


1. Italien

1.1. Organisation der Forstverwaltung, Eigentümerverhältnisse, Jagd
In Italien gibt es zum Einen die "Corpo Forestale dello Stato", kurz CFS oder Forestale. Das ist die staatliche Forstpolizei, eine Polizeibehörde, die dem Landwirtschaftsministerium in Rom untersteht. Die Beamten der Forestale besitzen umfangreiche Polizeiaufgaben. Neben der Überwachung der Einhaltung der Natur- und Umweltschutzgesetze sind sie forstlich für Schutzgebiete und Nationalparke sowie die Bundesforsten zuständig.

Zum Anderen besitzen die autonomen Regionen Italiens eigene Landesforstbehörden. So hat Friaul-Julisch Venetien ein eigenes Waldgesetz, 2010 neu erarbeitet. Gleichzeitig fand eine Organisationsreform mit Kompetenzaufteilung statt.
Die Forstfläche von 320.000 Hektar stellt etwa ein Drittel der Landesfläche im Friaul dar. Nur 50% davon sind produktive Fläche, da fast die Hälfte des Gebietes durch Berglandschaften und damit Schutzwälder der Alpen geprägt ist. Theoretisch wäre die Ernte von einer Mio. Fm⁄a möglich, tatsächlich genutzt werden nur etwa 15%. Fünfundsechzig Prozent des Waldes sind Privatwald, öffentlicher Wald ist meist Gemeindewald, nur 5% sind Staatswald.
Der Privatwald ist kleinparzelliert. Ohne Zusammenschlüsse ist eine Bewirtschaftung und Maschineneinsatz kaum möglich. Des Weiteren besteht seitens der Eigentümer kaum Interesse am Wald, da diese ihr Einkommen in der Landwirtschaft, dem Weinbau oder im Tourismus verdienen. Der Staat hatte in der Vergangenheit größere Waldbesitzer gefördert, diese sind gut organisiert.
Forsteinrichtung ist im öffentlichen Wald Pflicht, im Privatwald ab 200 Hektar.

Die klimatischen Bedingungen des Friaul reichen vom adriatischen Meer bis zu den Voralpen mit 3000 mm Niederschlag.

Seit 70 Jahren wird in Italien im öffentlichen Wald nicht mehr gejagt. Ein Grund dafür ist, dass viele der Wälder im Gebirge liegen. Die Nahrungssituation für das Wild außerhalb des Waldes ist sehr eingeschränkt, deshalb ist die Wilddichte relativ gering. Fast zwei Drittel des Waldes stehen in Privateigentum, dort wird Jagd ausgeübt.



1.2. Vatikanwald
Im nord-östlichen Teil Friaul-Julisch Venetiens erstreckt sich das Kanaltal bis zur Staatsgrenze mit Österreich und Slowenien, mit dem Zentrum Tarvis. Es trennt die Karnischen von den Julischen Alpen und den Karawanken. Wir befanden uns im 23.000 Hektar großen Vatikanwald, dem "Foresta di Tarvisio", der von der italienischen Forestale bewirtschaftet wird. 1919 wurden per Nationalvertrag die Erträge aus der Nutzung dem Vatikan zugeschrieben, die Beförsterung und Bewirtschaftung der Waldfläche erfolgt durch die Bundesforsten und auf deren Kosten. Auf Grund der gebirgigen Lage werden von der Gesamtwaldfläche nur ca. 13.000 Hektar forstlich bewirtschaftet, erklärte uns Bundesförster Obala.
Ähnlich wie in Thüringen bekannt, liegen auf den alten Häusern der Anliegerdörfer Nutzungsrechte, Servitute. Das sind im Vatikanwald 700 Höfe mit je 20 Festmeter Brennholzberechtigung. Die Nutzung wird bis heute jährlich über Lose per Submission vergeben, um eine maximale Transparenz für die Berechtigten zu gewährleisten.
Der Waldbaureferent der Forestale, Dr. Terlicher, erläuterte uns die Ziele der Bewirtschaftung und die waldbauliche Vorgehensweise. Man arbeitet in diesem Mischwald aus überwiegend Fichte (54%) und Buche (29%) seit 70 Jahren naturgemäß und kahlschlagfrei. Während sich die Tannen (7%) in den feuchteren und fruchtbaren Nischen halten, haben sich Lärchen (5,5%) und auch Kiefern (4,5%) in offeneren Gebieten ausgebreitet. Durch Beobachtung und gezielte Beeinflussung der Lichtverhältnisse entstehen dauerwaldartige, in Aufbau und Struktur den natürlichen Wäldern des alpinen Bogens entsprechende, Wälder.


In 1.000-2.000 m2 großen Lichtschächten werden im Femelhieb Tanne und Buche verjüngt. Man kalkuliert mit einer Naturverjüngungszeit von 50 Jahren. Die Holzernte erfolgt überwiegend motormanuell, insbesondere auch durch die Brennholznutzung. Im Vatikanwald werden inklusive der Berechtigungen der Talbewohner 25.000 Fm jährlich eingeschlagen. Bezogen auf den bewirtschafteten Teil des Waldes (13.000 ha) ca. zwei Festmeter realisierter Hiebssatz, was bei dem Potential der Wälder deutlich zu wenig erscheint. Zahlen über Vorrat und Zuwachs haben wir nicht erhalten.
Eine besondere Qualität erreicht das langsam und gleichmäßig gewachsene Nadelholz, was in der Fichte zur Aushaltung von Klangholz mit dem Markennamen "Klangholz aus dem Kanaltal" führt. Jährlich werden im Vatikanwald ca. 20 fm Klangholz von bis zu 250-jährigen Fichten für 450 Euro je fm verkauft.
Die Höhe der Gesamtnutzung und damit der finanzielle Gewinn aus dem Wald ernüchtern den betriebswirtschaftlich Denkenden. So wundert es nicht, dass der Vatikan auf höhere Erlöse drängt.



1.3. Italienischer Lehrwald "Parco Naturale di Bosco Romagno"
Wir trafen uns mit den italienischen Kollegen unmittelbar neben Weinbergen in Bosco Romagno im Lehrwald des "Servicezentrums für Forstwirtschaft und Gewerbe im Gebirge", CeSFAM. Es handelt sich um ein hochmodernes Aus- und Weiterbildungszentrum für die Bereiche Forstwirtschaft, Natur- und Umweltwissenschaften, Fauna und Jagdwesen, Bioenergie und Entwicklung des Gebirges. Die Waldbauern sollen hier von der Landesforstverwaltung verstärkt forstlich gebildet und gefördert werden. Sehr kompetent (und in deutsch) führte uns Dottore Rinaldo Comino, Chef der Forstverwaltung in Udine, u.a. zuständig für die zusammenhängenden 14.000 Hektar Wald des Bosco Romagno, deren Bestandteil der Lehrwald ist. Dottore Sardo Cancianials ist der örtliche Bewirtschafter. Der im Eigentum des Landes stehende Parco Naturale soll die potentielle natürliche Vegetation widerspiegeln und befindet sich seit den siebziger Jahren auf dem Weg zu einem naturnahen Wald. Entstanden ist er an der Stelle eines ehemaligen Waffenlagers (bis 1936). Er wurde 1945 kahlgeschlagen, verjüngte sich überwiegend aus Stockausschlag und wurde in den 60-er Jahren teilweise mit Strobe und Douglasie sowie Schwarzpappel aufgeforstet, in den lichten Partien hat sich die Robinie stark ausgebreitet. Man zieht langsam die unerwünschten Baumarten heraus. So hat sich weitgehend eine natürliche Bestockung mit Quercus petraea, Carpinus betulus, Quercus cerris, Castanea sativa - je nach Kleinstandort- etabliert. Auch Ostrya carpinifolia (Hopfenbuche)und Fraxinus ornus (Blumenesche) waren in der Baumschicht vertreten. Alle Baumarten verjüngen sich natürlich.
Eine nennenswerte Holzernte fand im Lehrwald auch auf Grund seines jungen Alters bisher nicht statt, Ziele sind Bestandesaufbau und Mischungsregulierung.
Der Gesamtwald des Bosco Romagno ist PEFC-zertifiziert. Der Holzverkauf erfolgt traditionell über Stockverkauf, hier im Landeswald über eine Vermarktungsgesellschaft mit 35 Mitgliedern, ähnlich einer FBG. Es werden ab einer Menge von 200 m3 Holzeinschlag gemeinsame Projekte zur Vermarktung in der Gesellschaft gemacht.



2. Slowenien

2.1. Organisation der Forstverwaltung, Eigentümerverhältnisse, Jagd


60 % Sloweniens sind mit Wald bedeckt. Trotzdem trägt die Forstwirtschaft zu nur 0,2 % zum BIP des Landes bei. Hauptbaumarten sind Fichte und Buche mit je etwa einem Drittel Anteil.
Die Forstverwaltung Sloweniens hat starke Strukturänderungen erfahren. 1993 gab es ein neues Forstgesetz, es wurde funktionalisiert. Das Verwaltungssystem ist in etwa vergleichbar mit der bisherigen Brandenburger Forststruktur mit Revieren, Oberförstereien und Ämtern.
Durch die Funktionalisierung hat der Revierförster kaum Einfluss auf die Holzaushaltung und den Holzverkauf, seine Arbeit endet beim Auszeichnen. Die Wertschöpfung des Produktes Holz ist auch im Staatswald von seinem Handeln völlig getrennt. Das Holz im Staatswald ist über Konzessionen langfristig an meist ausländische Firmen vergeben.
Eine Besonderheit in Slowenien ist, dass nur der Revierförster auszeichnet und in keiner Waldbesitzart ohne ihn ein Baum gefällt werden darf. Auszeichnen ist sozusagen hoheitliche Tätigkeit! Der Revierförster hat aber neben dem Auszeichnen noch weitere wichtige Aufgaben. Er führt auf Antrag des Waldbesitzers die Forsteinrichtung selbst durch. Von deren hervorragender Qualität, teilweise Stichprobeninventur, konnten wir uns an Hand der Unterlagen überzeugen.
72 % der Gesamtwaldfläche sind Privatwald mit einer durchschnittlichen Größe unter drei Hektar!
Die weitere wichtige Aufgabe des Försters in den slowenischen Revieren ist die Festsetzung des Abschussplanes. In Slowenien gibt es (noch) keine Eigenjagd bzw. Privatjagd. Wild ist nicht herrenlos, sondern gehört dem Staat. Reviergrößen zwischen 2000 und 5000 ha (je Gemarkung) werden gebildet. Etwa 1% der Bevölkerung sind Jäger, so bilden 30 – 50 Personen aus dem Ort des Jagdrevieres einen Jagdverein, hier mit dem schönen Begriff "Jagdfamilie" bezeichnet. Eine Jagdfamilie pachtet für einen geringen Pachtpreis das Jagdrevier vom Staat für 20 Jahre. 50% des Pachterlöses gehen an den Staat, 50% an die Gemeinde. Den Wildbreterlös erhält die Jagdfamilie und zahlt daraus Pacht und Unkosten wie Wildschäden. Jeder Jäger zahlt noch etwa 100 € ein und muss Arbeitsstunden leisten. Schäden durch Prädatoren (z.B. an Hausvieh) übernimmt der Staat. Wird der Abschussplan des Försters nicht erfüllt, endet der Pachtvertrag (theoretisch) vorzeitig nach zwei Jahren.
Wahrscheinlich werden die Regelung der Abschusspläne als auch das, von vielen unserer Exkursionsteilnehmer begrüßte Auszeichnen durch den Revierförster, nicht mehr lange bestand haben. Große Waldbesitzer und die Kirche in Slowenien drängen auf eine Wald- und Jagdgesetzänderung, die mehr Eigentümerentscheidungen ermöglichen.



2.2. Triglav-Nationalpark


Der Triglav Nationalpark ist der einzige Nationalpark Sloweniens. Er ist seit 1981 etwa 83.800 Hektar groß. Ein kleines Gebiet davon wurde bereits 1924 als Alpiner Schutzpark ausgewiesen. Nur eine ca. 1000 ha große Waldfläche bleibt der Natur völlig überlassen. Der Großteil wird in unterschiedlichen Intensitäten bewirtschaftet. Das Grundgestein ist Kalk. Hauptbaumarten sind Buche, Fichte und Lärche. Die Baumgrenze wird zwischen 1600 und 1800 Metern erreicht. Der Park verfügt über eine artenreiche Flora und Fauna, wird aber auch stark durch Tourismus und Wintersport beansprucht.
Der Namen gebende Berg Triglav ist 2.864 m hoch, er ist symbolisch auf dem Landeswappen dargestellt.

2.2.1. Fichtenbewirtschaftung in der Pokljuka
Wir befanden uns in einem 4800 Hektar großen Teil des Nationalparks, in der Pokljuka, was mit Plateau, Hochebene übersetzt werden kann. Ein Fichtenanbaugebiet (97%) mit einem durchschnittlichen Holzvorrat von 430 fm. Die Wälder der Pokljuca stehen zu 80% im Eigentum des Staates und gehören zu 20% der katholischen Kirche.
Die Höhenlage liegt bei etwa 1300 m üNN. Durchschnittliche Niederschläge betragen jährlich 2500 mm, wobei die Schneehöhe im Winter kumulativ bis 5,5 m betragen kann. Auer- und Birkhahn, Luchs und Bär gehören zur Fauna und seit drei Jahren kommt der Wolf vor.


Unser Thema hieß "Reine Fichtenwirtschaft in einem traditionellen Plenterwaldgebiet". Uns führte Frau Dipl.Ing. Jana Lucanc, Leiterin der Gebietseinheit Pokljuka im Bereich der Forstverwaltung Bled und der örtliche Revierförster.
Die Fichtenwälder, die wir besuchten, erfüllten unsere Erwartungen an einen Plenterwald oder ungleichaltrigen, einzelstammweise bewirtschafteten Wald nicht. Der Waldumbau, den man Richtung Mischwald anstrebt, scheitert am Schalenwild und an flächendeckender traditioneller Waldweide. Es gibt viel Schneebruch und damit Brutmaterial für den Borkenkäfer, die optimistische Hoffnung auf gelingende Naturverjüngung liegt bei 10 %. Wir sahen auch einen sehr schönen und beeindruckenden alten Fichtenwald, der im Femelprinzip mehr geerntet als verjüngt wurde. Für die meisten unserer Teilnehmer waren die Femeleinheiten flächig deutlich zu groß gewählt. Der örtliche Förster begründete seine Vorgehensweise mit dem Abwägen zwischen Licht, Wärme und Schneebruchgefahr und nannte sein System den "Slowenischen Femelschlag". Wichtig war ihm das kahlschlagfreie wirtschaften, einen Anspruch auf plenterartige oder kleinflächigere Strukturen war nicht gegeben. Die Holznutzung erfolgt kombiniert mit Harvester und motormanuell.



2.2.2. Slowenischer Privatwald von Kranjska Gora
Dieser letzte Exkursionstag führte uns in die Randzone des Triglav Nationalparks, unmittelbar nahe Kransjka Gora. Wir wurden ausgezeichnet geführt von Revierförster Gozdar Alfred Grilc. Er betreut das Revier Kransjka Gora im Forstamt Jesenice des Forstgebietes BLED. Das Revier umfasst 10.000 ha Waldfläche, wovon 54 % kaum bewirtschafteter Schutzwald sind.


Fast zwei Drittel des Waldes sind Privatwald, mit Besitzgrößen zwischen 10 bis 30 ha in mehreren Parzellen. fast ein Drittel ist Kirchenwald, 8% sind Staats- und Kommunalwald. Sein Revier verfügt über Vorräte von durchschnittlich fast 400 m3⁄ha bei einem Zuwachs von 8 m3⁄a ha. Der geplante Hiebssatz liegt bei 4,8 m3⁄ha⁄a, der im letzten Einrichtungszeitraum tatsächlich realisierte Einschlag lediglich bei 2 m3⁄ha⁄a. Dies ist bedingt durch die kleinen Flächen der bäuerlichen Privatwaldbesitzer. Es steckt also noch ein nachhaltig nutzbares Potential an Holz in diesen Wäldern, wenn es gelingt, die kleinen Waldbesitzer zu mobilisieren. Die Baumartenverteilung stellt sich wie folgt dar: 62% Fichte, 23% Buche, 9% Lärche, 4% Kiefer und 1% Tanne, 1% Sonstiges. Der Wald wird im Femelschlagbetrieb kleinflächig bewirtschaftet, der Revierförster allein ist zum Auszeichnen berechtigt. Wir sahen dauerwaldartige, qualitativ sehr gut hochdurchforstete Bestände, eine gute Walderschließung und wenig Rückeschäden.
Der Waldbesitzer beantragt beim Revierförster den Einschlag, der Förster zeichnet aus. Anschließend sucht sich der Waldbesitzer seinen Einschlagsunternehmer und Holzkäufer, das ist nicht Aufgabe des Försters. Die Holzpreise sowie Kosten für Einschlag und Rückung sind ähnlich denen in deutschen Mittelgebirgen.


3. Reiseeindrücke

Schon am ersten Abend und während der nächsten Tage genossen wir die in sehr unterhaltsamer Weise erzählten Berufs- und Lebenserfahrungen Bruno Hespelers.
Im Anschluss an die Exkursionen verblieb an drei Tagen noch Zeit für Wanderungen. So stiegen wir nach Besichtigung des Vatikanwaldes, bei trockenem Sonnenwetter, die Vegetationszonen bis zur subalpinen Strauchschicht aus Bergföhre und Rhododendron erreichend, zur 1500 Meter üNN gelegenen Hütte "Rifugio Luici Pellarini" auf.
Am nächsten Abend unternahmen wir mit Bruno Hespeler einen Ausflug zur Sava-Quelle. Unser Weg führte uns vorbei an der Schanze Planica zu einer rustikalen Hütte. Bei strahlendem Mondschein begaben wir uns auf den ca. 10 km langen Rückweg nach Kranjska Gora.
Am letzten Exkursionstag, anschließend an die Besichtigung der slowenischen Bauernwälder, teilten wir uns. Eine Gruppe wanderte von der KRNICI Hütte auf 1113 m Höhe zurück ans Hotel. Einige hatten sich bereits von der ERICA Hütte über den MIHOF Dom und die Russische Kapelle über den VRATICA (1799 m ÜNN) auf den weitesten und beschwerlichsten Weg begeben. Eine dritte Gruppe stieg Richtung SPIK bis auf die Hälfte des Berges an, um dann durch den LIPNI-Graben an den Ausgangspunkt zu gelangen.


Aber auch auf den Busfahrten zu den Zielen sahen und erfuhren wir viel. Die Fahrt in den italienischen Lehrwald führte durch eine schöne Waldlandschaft über den Predil-Pass nach Italien. Es ging am Cava de Predil vorbei, einem verlassenen Bergarbeiterdorf, welches 700 Jahre zum Stift Bamberg gehörte, entlang des Lago de Predil, bis wir wieder die slowenische Grenze passierten. Wir sahen an allen steilen Hängen und Pässen alte Stellungen aus dem ersten Weltkrieg. Nach dem Pass fuhren wir am Berg Mangat vorbei ins Kaltwassertal mit gigantischen Ausblicken. Die traditionelle Bedachung der Häuschen mit Lärchenschindeln fiel unter anderem im Ort Sternec auf, was sinngemäß "steil" heißt. Viele geschichtliche und historische Hintergründe erfuhren wir von unserem ortskundigen Begleiter, Bruno Hespeler, mit Humor und Anekdoten gespickt. Eine atemberaubende Schlucht (eine alte Sperranlage für Flöze) befand sich nahe der Festung Kluce. Dort gab es im ersten Weltkrieg erhebliche Stellungskämpfe. Im Socatal fuhren wir durch das slowenische Wassersportzentrum in Bovec. An den heißen und trockenen Hängen wuchsen Schwarzkiefern und Goldregen.
Jeder Slowene sollte den Triglav in seinem Leben einmal erklimmen (Hespeler). Dort wurde am Abend vor der Unabhängigkeit des Staates Slowenien die Erklärung zur Unabhängigkeit verlesen und die slowenische Flagge gehisst.
Nach der Erkundung eines Hochmoores (im Triglav Nationalparkteil Pocluca), welches ein Natura 2000 Gebiet ist, das Barje Gorejek-Ucna Pot, erfolgte ein Abstecher in einen eindrucksvollen, touristisch gut erschlossenen Canyon "Vintgar"des Flusses Radovna. Der Abschluss des Tages führte uns in den wunderschönen Kurort Bled mit See und hoch erhobener Burg.
Wir wurden sowohl in Italien, als auch in Slowenien sehr gastfreundlich aufgenommen und bewirtet. Dafür ein herzliches Dankeschön an unsere Gastgeber! Kulinarisch verwöhnt wurden wir beispielsweise im italienischen Agriculture Agrituristica mit angeschlossenem Weingut und im slowenischen Wald mit Zaseka, einer Spezialität aus geräuchertem Speck und Schweinefleisch sowie Borovnicevec, einem leckeren Blaubeerlikör.


Wir hatten uns insgesamt von dieser Reise mehr Waldbilder und Konzepte zu naturgemäßer Waldwirtschaft erhofft. Aber reich an neuen Erfahrungen, Wissen, mit beeindruckenden Reiseerlebnissen im Gepäck konnten wir die Heimfahrt antreten. An dieser Stelle sei besonders herzlich Bruno Hespeler für die herzerfrischende Führung und Jörg und Gabi Willner für die Vorbereitungen zu dieser Reise gedankt.



Fotos:
R. Biehl, I. Profft, K. Schröder


***