In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken, man jahrelang im Moos liegen könnte.

Franz Kafka

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Herbsttagung 2014

Zukunftsweisende Forsteinrichtung
im Dauerwald

Die permanente Stichprobeninventur


Klassische, für den Altersklassenwald konzipierte Inventurverfahren können die vielfältigen Strukturen eines Dauerwaldes nicht mehr mit verlässlichen Daten abbilden. Zur Verfügung stehende Inventurverfahren, die für strukturreiche Waldbestände geeignet sind, müssen in der Praxis fest etabliert und die sich aus solchen Inventuren ergebenden bestandesbeschreibenden Daten und Planungsgrößen transparent und nachvollziehbar für den örtlichen Wirtschafter dargelegt und vermittelt werden. Aus diesen Gründen hat die ANW-Landesgruppe Thüringen am 01. Oktober 2014 zu ihrer Herbsttagung 2014 zum Thema "Zukunftsweisende Forsteinrichtung im Dauerwald - Die permanente Stichprobeninventur" nach Lauterbach⁄Thüringen eingeladen.

Bild 1: Impression von der Tagung

Bild 1: Impression von der Tagung

Knapp 100 Teilnehmer - von privaten und kommunalen Waldbesitzern über forstliche Beratungs- und Dienstleistungsbüros sowie Forstunternehmer bis hin zu Praktikern aus verschiedenen Forstverwaltungen, Landes- als auch privaten Forstbetrieben - sind der Einladung der ANW-Landesgruppe Thüringen zu ihrer Herbsttagung 2014 nach Lauterbach gefolgt. Umrahmt von einem perfekten Tagungsort im "Urwald-Life-Camp" wurde die Thematik der Stichprobeninventur aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden der Landesgruppe, Hubertus Schroeter, eröffnete Dr. Franz Straubinger, Geschäftsführer der Hatzfeldt-Wildenburg´schen Verwaltung die Vortragsreihe mit einem Blick aus der Praxis. Entsprechend seines Vortragsthemas "Sinnhaftigkeit von Stichprobeninventuren aus Sicht des Großprivatwaldes" zeigte er, welche Informationen aus einer Wiederholungsinventur auf Stichprobenbasis gewonnen werden können und wie diese ihm als wertvolle Entscheidungsgrundlage für die Bewirtschaftung des ihm anvertraute Privatwald dienen. Neben den Standardinformationen zum Vorrat und Zuwachs der Waldbestände stehen ihm auch Daten zur Wertentwicklung des Waldes sowie Informationen für die Ableitung von Bewirtschaftungsstrategien und waldbaulichen Handlungsoptionen zur Verfügung.

Bild 2: Dr. Franz Straubinger und Hubertus Schroeter

Bild 2: Dr. Franz Straubinger und Hubertus Schroeter

Bild 3: Wolfgang Arenhövel

Bild 3: Wolfgang Arenhövel


Ihm folgte Wolfgang Arenhövel, kommissarischer Leiter des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha der ThüringenForst-AöR. Das langfristige, seit den 1990er-Jahren verfolgte waldbauliche Ziel von ThüringenForst ist die Schaffung und Entwicklung von Dauerwaldstrukturen im Landeswald. Dementsprechend ergibt sich immer stärker das Erfordernis, das Forsteinrichtungsverfahren als Grundlage für die Planung und Bewirtschaftung des Landeswaldes den mittlerweile auch vielerorts an den Waldstrukturen erkennbaren Veränderungen anzupassen. Hierfür wurde das Projekt "FE2018" ins Leben gerufen, das bis 2018 die Praxiseinführung eines Stichprobeninventurverfahrens für den Landeswald im Freistaat erarbeiten und vorbereiten. Den derzeitigen Arbeitsstand hierzu sowie die Anforderungen, die an das neue Verfahren gestellt werden, wie beispielsweise die Integration der Waldbiotopkartierung und die Natura2000-Managementplanung in das neue Inventurverfahren, aber auch die erforderliche Einbettung in die bestehende IT-Landschaft, stellte Wolfgang Arenhövel vor, der stellvertretend den Vortrag für den verhinderten Vorstand von ThüringenForst, Volker Gebhardt, hielt.

Bild 4: Dr. Thomas Böckmann

Bild 2: Dr. Thomas Böckmann


Im Anschluss stellte Dr. Thomas Böckmann, Leiter des Niedersächsischen Forstplanungsamtes Wolfenbüttel von den Niedersächsischen Landesforsten (NLF) den Weg zur permanenten Stichprobe bei den NLF und die seit der Einführung gesammelten Erfahrungen und Ergebnisse aus den Erst- und Wiederholungsinventuren vor. Die heute fest etablierte Betriebsinventur der NLF als zweiphasige, permanente Inventur mit konzentrischen Stichprobenkreisen liefert verlässliche Ergebnisse und wichtige Informationen als Grundlage für betriebliche und strategische Entscheidungen zur Steuerung des Forstbetriebes.

Den Abschluss des Vortragsteils bildete der Vortrag von Dirk Fritzlar, Leiter des Thüringer Forstamtes Hainich-Werratal. Im Zuständigkeitsbereich dieses Forstamtes und von diesem auch fachlich betreut und beförstert befindet sich die Forstbetriebsgemeinschaft Hainich. Deren Laubgenossenschaften bewirtschaften ihren Wald seit Generationen als Plenterwald. Bereits 1994 wurde für das mehr als 1.000ha große Waldgebiet eine permanente Stichprobeninventur mit einem Raster von 100x100m entwickelt. 2014 erfolgte die zweite Wiederholungsinventur - mit dieser bereits dritten Inventur auf dem permanenten Raster stellt sie eine Einmaligkeit für deutsche Laubplenterwälder in dieser Größe dar. Dirk Fritzlar stellte die ersten Ergebnisse der zweiten Wiederholungsinventur vor und zeigte an Beispielen, wie die gewonnenen Daten für die Bewirtschaftung dieser Wälder unter der Prämisse, die Plenterstrukturen langfristig zu erhalten, genutzt werden können.

Bild 5: Dirk Fritzlar und Hubertus Schroeter

Bild 5: Dirk Fritzlar und Hubertus Schroeter

Der zweite Teil der Tagung führte in die Plenterwälder der FBG Hainich. Am ersten Exkursionspunkt wurde durch Hans Stechern vom Forstamt Hainich-Werratal die Methodik der Stichprobeninventur und der Ablauf der Außenaufnahmen am Inventurpunkt exemplarisch vorgestellt. Anschließend wurden die forstlichen Maßnahmen im zurückliegenden Planungszeitraum, einzelne Teilergebnisse der Inventur sowie die davon abzuleitenden Empfehlungen für die zukünftige waldbauliche Behandlung vom Revierleiter Andreas Biehl und Dirk Fritzlar vorgestellt und gemeinsam mit den Exkursionsteilnehmern intensiv diskutiert.


Bild 6: Impression von der Exkursion

Bild 6: Impression von der Exkursion

Fazit

Die permanente Stichprobeninventur ist ein geeignetes Instrument für die Steuerung eines Forstbetriebes. Sie liefert bei entsprechender Ausgestaltung der Außenaufnahmen bzw. der erhobenen Parameter objektive, verlässliche Informationen nicht nur zum Zustand des Waldes, sondern auch zum aufstockenden Holz als auch zu verschiedenen Indikatoren für eine naturschutzfachliche Bewertung der Wälder (z.B. Totholz). Diese Daten dienen damit nicht nur der betrieblichen Steuerung, sondern können auch für die Öffentlichkeitsarbeit und die Argumentation in Hinblick auf die Darstellung von ökologischen Leistungen genutzt werden. Dies zeigten nicht nur die einzelnen Vorträge, sondern auch die Diskussionen, sowohl während des Vortragsteils am Vormittag als auch im Rahmen der Exkursionen. Diese Bedeutung muss aber noch stärker in der Praxis verdeutlicht werden, insbesondere bei der Einführung einer Stichprobeninventur, denn gerade hier, darauf wiesen mehrere Referenten hin, wird die Stichprobeninventur teilweise skeptisch als Kontrollmaß für die Arbeit angesehen. Sie ist jedoch ein Steuerungsinstrument, das - richtig umgesetzt, vermittelt und interpretiert - die waldbauliche Arbeit im Wald und die betrieblichen Entscheidungen im Forstbetrieb unterstützt und damit eine Basis für die Nachhaltigkeit darstellt.

Sowohl die hohe Teilnehmerzahl als auch die positive Resonanz der Teilnehmer zeigen (wieder einmal), dass die Landesgruppe mit ihrer Herbsttagung ein für die Praxis wichtiges Thema aufgegriffen und facettenreich präsentiert hat. Dass fast die Hälfte der Teilnehmer aus anderen Bundesländern und mit dem Geschäftsführer von ProSilva Schweiz, Richard Stocker, sogar ein Teilnehmer aus dem Ausland gekommen ist, hat selbst die ANW Thüringen überrascht.

Abschließend möchte sich die ANW-Landesgruppe Thüringen auch an dieser Stelle bei den vier Referenten sowie bei dem Team des "Urwald-Life-Camps" für die Bereitstellung der Räumlichkeiten bedanken.



Vortragspräsentationen

Dankenswerter Weise stellen alle Referenten ihre Vorträge als pdf-Datei zur Verfügung. Nachfolgend stehe diese hier als Download zur Verfügung:

Dr. Franz Straubinger, Geschäftsführung Hatzfeldt-Wildenburg´sche Verwaltung:
» Sinnhaftigkeit von Stichprobeninventuren aus der Sicht des Großprivatwaldes
(pdf-Datei, Größe: ca. 1,9 MB)


Wolfgang Arenhövel, komm. Leiter des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha⁄ThüringenForst:
» Notwendigkeiten und Anforderungen eines angepassten Inventurverfahrens für den Dauerwald
(pdf-Datei, Größe: ca. 1,4 MB)


Dr. Thomas Böckmann, Leiter des Niedersächsischen Forstplanungsamtes Wolfenbüttel:
» Die permanente Stichprobeninventur in Niedersachsen – etabliert und anerkannt?
(pdf-Datei, Größe: ca. 1,9 MB)


Dirk Fritzlar, Leiter des Thüringer Forstamtes Hainich-Werratal⁄ThüringenForst:
» Die erste permanente Stichprobeninventur mit zwei Wiederholungen in Thüringen - Ergebnisse und Erfahrungen mit der permanenten Stichprobeninventur Langula
(pdf-Datei, Größe: ca. 2,7 MB)



Weitere Veranstaltungsimpressionen

Bild 7: Impression von der Tagung

Bild 7: Impression von der Tagung

Bild 8: Hans Stechern und Andreas Biehl bei der Exkursion

Bild 8: Hans Stechern und Andreas Biehl bei der Exkursion

Bild 9: Impression von der Exkursion

Bild 9: Impression von der Exkursion

Bild 10: Rege Diskussionen bei der Exkursion

Bild 10: Rege Diskussionen bei der Exkursion


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