In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken, man jahrelang im Moos liegen könnte.

Franz Kafka


Bericht von der ANW-Herbstexkursion 2012

Herbstexkursion der ANW-Landesgruppe Thüringen
"20 Jahre kahlschlagsfreier Waldumbau zum Dauerwald im Greizer Wald"
am 11. Oktober 2012



von Louise Stephani



Die diesjährige Herbstexkursion der ANW führte die Teilnehmer in Thüringens östlichstes Forstamt, nach Weida. Exkursionsrevier war das Revier Waldhaus, ein reines Landeswaldrevier, das RL Jens Frotscher seit über 20 leitet und das -als eines der wenigen Reviere in Thüringen - schon seit 20 Jahren kahlschlagfrei bewirtschaftet wird. Braunerden der mittleren Nährkraftstufe und ein subkontinentales-trockenes bis mäßig frisches Klima liefern ausreichende Voraussetzungen für eine fichten- und kieferndominierte Bestockung. Derzeit steigen Vorrat und Flächenanteil der, angesichts der aktuellen Prognosen, nicht zukunftsfähigen Fichte weiter an. Daraus resultiert ein hohes Waldumbaupotential für das Revier Waldhaus. Anhand von 5, von FAOL Karsten Schröder und RL Jens Frotscher, mit viel Bedacht ausgewählten, Waldbildern wurden von den rund 80 Teilnehmern folgende Kernaspekte diskutiert:
  • Welches ist der geeignete Weg, um die vorgefundenen Fichtenreinbestände zu stabilisiere, zu strukturieren und umzubauen?
  • Welche Baumarten und welche Waldbautechnik sind zur Umsetzung der Waldumbauziele geeignet?
  • Wie sollte man die Vorratsentwicklung steuern?
  • Wie sind die neuen Bestandeszieltypenvorschläge, mit hohen Anteilen an Eiche, Kiefer, Douglasie (und Tanne) unter den gegeben Voraussetzungen, realisierbar?

Anhand des ersten Waldbildes wurde deutlich, dass in einem 91jährigen Fichtenbestand ein später Einstieg in die kahlschlagfreie und hochdurchforstungsartige Bewirtschaftung glücken kann. Geringe Nutzungsmengen in Verbindung mit häufig wiederkehrenden Eingriffen zur Strukturierung des Oberstandes sind dabei das Schlüsselelement, um die Einzelbaumstabilität zu erhöhen.

Mittlerweile hat sich hier eine flächige, fichtendominierte Naturverjüngung entwickelt, deren Behandlung und Weiterentwicklung Anlass zur Diskussion bot. Was ist derzeit an aktiven Waldumbaumaßnahmen noch möglich? Macht beispielsweise die Pflanzung von Weißtanne in diesem Bestand noch Sinn, obwohl sich die Fichte erfolgreich im Rohhumus etabliert hat? Wie würde man die zwischenartliche Konkurrenz in Fichten-Weißtannen Jungwüchsen regeln? Die Frage der aktiven Einbringung von Weißtanne führte zu durchaus unterschiedlichen Positionen der Teilnehmer. Einigkeit herrschte hingegen darüber, dass die Strukturierung der Naturverjüngung mit Hilfe des Lichtspiels im Oberstand erfolgen soll.

Für den Klimabereich des Exkursionsgebietes wird als Bestandeszieltyp Eiche-Kiefer empfohlen. Die Erreichung dieses langfristigen Ziels ist, angesichts der derzeitig fichtendominierten Vorausverjüngung, nur über eine frühzeitige "Einspielung" und Förderung von Mischbaumarten möglich. Es wurde klar herausgestellt, dass die Baumartenempfehlungen als langfristige Entwicklungsempfehlungen, -ziele aufzufassen sind.

Die aufgeschobene Frage der Anreicherung von Fichtennaturverjüngung mit Mischbaumarten wurde dann am zweiten Exkursionsbild in einem 105 jährigen Fichten-Kiefern-Bestand diskutiert. Hier wurde die Fi-Naturverjüngung im Jahr 2008 mit Weiß-Tannen ergänzt. Die Tannen wurden in dichten Fichtenkomplexen "versteckt" und mit einem Robinienpfahl markiert. Auf dies Weise können die Weißtannen leicht wieder gefunden - und evtl. notwendige Pflegemaßnahmen dann durchgeführt werden. Durch das Pflanzen der WTA in Fichtengruppen und die intensive Bejagung konnte der Wildverbiss bis jetzt erfolgreich abgewendet werden.

Dieses extensive Verfahren des Waldumbaus birgt viel Kosteneinsparungspotenzial und ermöglicht die großflächige Ergänzung der Fichten-Naturverjüngung mit einer zukunftsfähigen, heimischen Nadelbaumart. Angesichts der hohen Anwuchsrate erscheint das Ziel von 20-40 % Mischungsanteil der Weißtanne im Endbestand realistisch. Es wurde herausgestellt, dass angesichts der langen Verjüngungszeiträume der Weiß-Tanne bereits deutlich zeitiger (in einem Alter des Obertandes von 70-80 Jahren) mit der Einbringung begonnen werden sollte. Eine direkte und flächenweise Saat der Weiß-Tanne wurde auch diskutiert. Das Forstamt Weida hatte sich für die Anzucht und Ausbringung von Sämlingen entschieden und so das sehr begrenzt vorhandene Saatgut hocheffizient eingesetzt.
An diesem Punkt sollte noch einmal betont werden, dass hier weder Fichte noch Weiß-Tanne Bestandteil der Bestandeszieltypenvorschläge sind. Dies soll jedoch der Weiß-Tanne keinesfalls eine hohe Klimaplastizität und eine hohe Toleranz gegenüber Trockenereignissen absprechen.

Die Frage der Klimaplastizität der Fichte und Douglasie rückte auch im folgenden Waldbild in den Vordergrund. Es handelte sich um einen 123 Jahre alten Fichten-Kiefernbestand auf einem trockenen Kopf, in welchem die Fichtennaturverjüngung 2008 und 2010 durch Pflanzung mit Douglasien ergänzt wurde.

Hier wurde diskutiert, wo die ökologischen Ansprüche der Douglasie liegen, denn damit hängt die Frage der Weiterbehandlung des Oberstandes unabdingbar zusammen. Ein stärkerer Eingriff zu Gunsten der Douglasie wurde von einigen Teilnehmern befürwortet, demgegenüber erscheint es geboten den Dauerwaldgedanken zu wahren und eine Differenzierung des Unterstandes abzuwarten. Dieser Ansatz wurde am Beispielbestand durch dessen südwestliche Exposition und Anfälligkeit des Standortes gegenüber Trockenheit untermauert. Für dieses Vorgehen sprach auch die relativ geringe Einzelbaumstabiliät des Oberstandes.

Im vorletzten Waldbild konnte ein erfolgreiches Einbringen der Rotbuche in einen 62jährigen Kiefern-Fichten-Bestand durch einen Voranbau mit Wildlingen gezeigt werden. Darüber hinaus boten Eichen im Zwischenstand einen Ansatzpunkt, um über den zukünftigen Eichen Behandlungszieltyp zu sprechen. Es herrschte Einigkeit darüber, dass der erst 60jährige Oberstand weiter konsequent hochdurchforstungsartig behandelt werden muss.

Das letzte Waldbild dieses Exkursionstages war ein 98jährigen Fichten-Kiefern-Bestand, in dem 1993 ein Voranbau aus Weißtannen und Rotbuchen etabliert wurde. Zu sehen war ein stabiler Bestand, insbesondere die Fichte im Oberstand besaß lange Kronen. Es wurde diskutiert, ob die Ausformung von reinen Laubholzgruppen die innerartliche Konkurrenz und folglich die Astreinigung der Laubholzverjüngung verbessern kann. Dabei wurde jedoch deutlich, dass durch die örtlichen Wirtschafter, keine Entnahmen der Weißtannen zugunsten von Laubholz geplant sind. Grundsätzlich wurde erläutert, dass für den Oberstand eine einzelstammweise Nutzung i.d.R. bei Erreichen der Zielstärke geplant ist. Dies führt zu langen Verjüngungszeiträumen, geringen Entnahmemengen pro Eingriff und ermöglicht die Nutzung jedes einzelnen Stammes zum Zeitpunkt der höchsten Wertentwicklung. Der Unterstand soll bis zum Zeitpunkt der ersten positiven Auslese, abgesehen von Schlagpflegen, nahezu unbehandelt bleiben.

Die Exkursion lieferte viele Ansatzpunkte für Diskussionen und zeigte eine 20-jährige Erfolgsgeschichte kahlschlagfreier Waldwirtschaft verbunden mit aktiven Waldumbaumaßnahmen. Es wurde eine erstaunlich hohe Fläche durch Waldumbau, vor allem in Form der Überführung oder der extensiven Einbringung von Mischbaumarten bearbeitet und aufgewertet. Durch die langjährige und konsequente hochdurchforstungsartige Bewirtschaftung konnten dauerhaft überdurch-schnittlich gute Betriebsergebnisse erreicht werden, und den gezeigten Wälder zudem mehr Stabilität und Naturnähe verliehen werden.

Vielen Dank an die Exkursionsleitung und den örtlichen Revierleiter für die spannenden Waldbilder.


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